Logo 11. Sächsisches Theatertreffen Chemnitz
Foto: Sebastian Hoppe
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Mit der Faust in die Welt schlagen

Nach dem Roman von Lukas Rietzschel – Uraufführung in einer Spielfassung von Lukas Rietzschel, Liesbeth Coltof und Julia Weinreich

Staatsschauspiel Dresden

Regie: Liesbeth Coltof
Bühne: Guus van Geffen
Kostüme: Carly Everaert
Musik: Vredeber Albrecht
Dramaturgie: Julia Weinreich

Es spielen: Franziskus Claus, Tillmann Eckardt, Betty Freudenberg, Ursula Hobmair, Sven Hönig, Daniel Séjourné, Ingo Tomi

Spielort: Opernhaus Saal
Spieltag: 15. Mai 2020, 20:00
Spieldauer: 2 Stunden 25 Minuten, mit Pause
Altersempfehlung: 14+
Information: Einführung 30 min vor Vorstellungsbeginn / Nachgespräch im Anschluss

Der Roman Mit der Faust in die Welt schlagen von Lukas Rietzschel erzählt von den beiden Brüdern Philipp und Tobias, die in der Provinz Sachsens aufwachsen. Der Vater ist Elektriker, die Mutter Krankenschwester. Das erste Eigenheim soll gleichzeitig der Aufbruch in ein neues Leben werden. Doch im Dorf passiert längst nichts mehr: Das Schamottewerk hat schon vor Jahren dicht gemacht. Immerhin: Einmal im Jahr ist Rummel! Doch dort trifft sich die Dorfjugend hauptsächlich „zum Prügeln im Schatten des ausgeschalteten Kettenkarussells“ und zum Saufen. Um die Brüder herum verfällt alles, die Heimat verschwindet, und Nachbarin Kathrin macht dem Vater schöne Augen. Die Folge: Die Eltern von Tobias und Philipp trennen sich. Wer dageblieben ist, ertränkt seinen Frust im Alkohol oder – noch schlimmer – sich selbst im künstlichen See, wo früher Tagebaugebiet war. So wie Uwe, der für die Stasi spitzelte und dem die Frau in den Westen weglief. Dieses Bild von Uwe, dem Verlierer, ist es auch, das Philipp und Tobias im Gedächtnis bleibt. Und als es dann noch zu rechtsradikalen Aufmärschen in Dresden kommt und ihre ehemalige Grundschule Geflüchtete aufnehmen soll, eskaliert die Situation gänzlich. Während sich Philipp in sich selbst zurückzieht, sucht Tobias Anschluss bei einer Gruppe Neonazis, deren Anführerin Menzel ist. Mit rechten Parolen beten sie die Vorurteile ihrer Eltern nach, wissen nicht, wohin mit ihrer Wut und werden gewalttätig, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet – ob gegen die Sorben, die in ‚ihrem‘ See baden, ob gegen die Syrer und die Afghanen, die sich auf dem Rummel amüsieren wollen, oder prophylaktisch gegen die Geflüchteten, die noch gar nicht da sind. Die anfänglichen Fragen hören bald auf, als Philipp und Tobias feststellen müssen, dass sie auf taube Ohren stoßen. Von den Erwachsenen antwortet ohnehin niemand.


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