Foto: Dieter Wuschanski
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Homo faber

Ein Bericht von Max Frisch

Dramatisierung von Hasko Weber, René Schmidt und Ensemble

Ein Mann legt Zeugnis ab: Walter Faber, fünfzigjähriger Ingenieur aus der Schweiz, begegnet auf einem Flug nach Mexico City zufällig Herbert Hencke, dem Bruder seines früheren Freundes Joachim. Nach einem Fast-Absturz in der mexikanischen Wüste begleitet er Hencke kurz entschlossen durch den wuchernden Dschungel Guatemalas zu Joachims Farm, wo sie den Freund nur noch tot auffinden. Im Weiteren konfrontieren Zufälle und eigene Entscheidungen Faber zwingend mit seiner Vergangenheit. Er trennt sich in New York von seiner Geliebten Ivy, lernt während einer Schiffspassage nach Europa unerkannt seine Tochter Elisabeth Piper kennen, liebt sie zögerlich und macht sich unschuldig schuldig. Beide reisen gemeinsam von Paris nach Athen, wo Elisabeth ihre Mutter besuchen möchte und Walter inmitten einer Katastrophe der Frau seines Lebens wiederbegegnet. Die Spuren der Halbjüdin Hanna Piper, geborene Landsberg, hatten sich vor dem 2. Weltkrieg verloren. – Mit seinem Bericht versucht Faber seine Schuld an der Katastrophe zu bestimmen.

Fabers Sprache ist nüchtern und distanziert, gekennzeichnet durch präzise Weltwahrnehmung bei gleichzeitiger Ablehnung allen Irrationalen. Ähnlich einem Detektiv prüft er die Ereignisse, um am Ende sich selbst als Schuldigen auszumachen. Darin gleicht er dem König Ödipus der griechischen Tragödie, welcher in inzestuöser Ehe mit der Mutter lebt, sich selbst enttarnt und seine Anmaßung gegenüber dem Schicksal erkennt.

Max Frischs Bericht, 1957 erschienen, ist einer der großen Würfe der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Mit sinnlicher wie präziser Sprache thematisiert Frisch (1911-1991) die zentrale Frage nach der Stellung des Menschen zwischen Chaos und Struktur, zwischen Natur und Zivilisation, zwischen Erlebnis und dem Versuch, das Erlebte mittels Sprache zu fassen. Elegant verwebt er den Gang der Ereignisse mit Diskursen zu großen Menschheitsfragen und Motiven der griechischen Klassik, welche auf das innerlich Dräuende unter der rationalen Oberfläche Fabers verweisen.


Besetzung

Regie Hasko Weber
Bühne | Kostüme Sarah Antonia Rung
Dramaturgie René Schmidt
Regieassistenz Jana Neubert
Soufflage Monika Meyer
Produktionshospitanz Vanessa Rustler

Es spielen

Walter Faber Philipp Otto
Hanna Piper, geb. Landsberg Susanne Stein
Elisabeth Piper Seraina Leuenberger
Stewardess, Ivy Magda Decker
Marcel, Hans Hartenstein, Williams Martin Valdeig
Herbert Hencke, Prof. O. Dirk Glodde

Premiere Sa., 14. Oktober 2017 | Schauspielhaus Chemnitz, Große Bühne

Spieldauer: 1:40 h

Aufführungsrechte bei Suhrkamp Theater Verlag

Weitere Informationen zum Theater Chemnitz:
www.theater-chemnitz.de


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