DEUTSCH-SORBISCHES VOLKSTHEATER BAUTZEN – MEIN VERMESSENES LAND

Mein vermessenes Land
Foto: Miroslaw Nowotny

MEIN VERMESSENES LAND  (Mój wuměrjeny kraj)

von Jurij Koch

Die Lausitz, die angestammte Heimat der Sorben/Wenden hat sich verändert. Dort wo einst verschlafene Dörfer inmitten der sagenumwobenen Heide lagen, erstrecken sich heute durch Nieder- und Oberlausitz kilometerweit und abgrundtief Braunkohlegruben. Einiges verwandelte sich fortschritts- und kommerzorientiert in ein neues verheißungsvolles Paradies – die Lausitzer Seenlandschaft – anderes liegt brach, scheinbar unbrauchbar, beraubt der Kostbarkeiten und Biografien aus uralten Zeiten.

Jurij Kochs Stück „Landvermesser“, dessen Uraufführung im Jahr 1977 am Neuen Theater in Halle stattfand, widmet sich dem fortwährend aktuellen Problem, ob Fortschritt alle Tradition aufwiegen kann und soll. Im Jahr 1978 kam es in Bautzen in sorbischer und 1985 in deutscher Sprache auf die Bühne und wurde sogar zum Gastspiel nach Berlin eingeladen. Eine solche Erfolgsgeschichte kann kaum ein anderes Werk eines sorbischen Autors aufweisen. Umso mehr ist es ein Indiz dafür, dass das Thema nach wie vor von großer Brisanz ist.

Das Stück zeigt den Zusammenstoß der auf Fortschritt und Fortkommen drängenden, durch Rationalität, Wirtschaftlichkeit und Technik bestimmten Welt der Landvermesser und einem auf Tradition, Schönheit und innere Werte angelegten Leben, das der Weber Kotjatko, sein Vater und die sichelkrumme Frau führen. Ein Trupp Landvermesser durchstreifen die unberührte Landschaft. Eine Trasse soll gelegt werden. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, auch der abgelegene Bauernhof, in dem die Vorboten der Industrialisierung gastfreundlich Quartier erhalten, wird den Baggern und Kränen weichen müssen. Die Kraft des scheinbar alten Wertesystems erfährt Bestätigung durch die Liebe der Landvermesserin Maria zu Kotjatko. Doch beide werden gezwungen, die neue Zeit anzunehmen.

Regie: Lutz Hillmann
Ausstattung: Miroslaw Nowotny
Dramaturgie: Madleńka Šołćic
Choreographie: Ralf Herzog a.G.
Mit: Jan Mickan, Jurij Schiemann a.G., Mirko Brankatschk, Petra-Maria Wenzel, Anna-Marie Lehmann, Thomas Ziesch, Marian Bulang, Torsten Schlosser
Dauer: 2h20, eine Pause

Stückeinführung – eine halbe Stunde vor Beginn werden das jeweilige Theater und Stück vorgestellt


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